Wo der Ort beginnt

Verschiedene

Kunsthaus Dahlem

Im Frühjahr 2015 erforscht NBR noch vor dessen offizieller Eröffnung den Ort des zukünftigen Kunsthauses Dahlem – das ehemalige Staatsatelier des NS-Bildhauers Arno Breker. Eine Ausstellungsreihe in sieben Kapiteln.

Neue Berliner Räume präsentiert im Frühjahr 2015 ein mehrwöchiges Gast-Programm im Kunsthaus Dahlem. In den letzten Wochen vor der Einweihung des Ausstellungshauses richten verschiedene Positionen den Blick auf die historische Dimension des Ortes sowie auf seine Gegenwart und künftige Widmung. In seiner Gesamtheit ist das Programm der Versuch, den Ort entlang dieser Linie zu öffnen. Die kuratorischen und künstlerischen Einzelbeiträge markieren hierfür – nach und nach – einen möglichen Weg.

 

Mitte des Jahres 1939 begannen im Berliner Bezirk Dahlem die Arbeiten an einem weitläufigen Atelierkomplex für den Bildhauer Arno Breker. Breker hatte vom NS-Regime in den Jahren zuvor herausgehobene öffentliche Aufträge erhalten und das „Staatsatelier“ am Rande des Grunewalds markierte seinen endgültigen Aufstieg zu einem der einflussreichsten Künstler des „Dritten Reichs“. Ab 1942 stand der ausgedehnte Bau dem Bildhauer zur freien Verfügung – hier sollten vor allem jene Monumentalplastiken entstehen, mit deren Schaffung Breker im Zuge der fundamentalen Neugestaltung Berlins beauftragt worden war. Trotz der weitgehenden Fertigstellung des Hauses nutzte Breker es nur selten; 1945 wurden seine vor Ort gelagerten Arbeiten beschlagnahmt und das Atelier wurde geschlossen.

 

Kurze Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude erneut als Atelierhaus geöffnet und anschließend über Jahrzehnte hinweg von Künstlerinnen und Künstlern genutzt und bewohnt. So verbrachten hier u.a. Ouhi Cha, Jimmie Durham und Dorothy Iannone teils bedeutende Schaffensphasen und sind auf diese Weise mit dem Ort verbunden. Hierzu gehörte ebenfalls Bernhard Heiliger – ein Schüler Arno Brekers –, der in Dahlem von 1949 bis an sein Lebensende wirkte. 1996 bezog die nach seinem Tod gegründete Bernhard-Heiliger-Stiftung einen Teil der Räumlichkeiten. Die Beendigung des Atelierprogramms bedeutete im Jahr 2011 das Ende eines wichtigen Kapitels in der Geschichte des Hauses.

 

In diesem Jahr vollzieht sich nach längerer Diskussion mit der Eröffnung des Kunsthauses Dahlem eine Umwidmung des historischen Ortes: Nach einem Rückbau und einer denkmalgerechten Umgestaltung wendet sich das Ausstellungshaus in Zukunft den Positionen der deutschen Nachkriegsmoderne in Ost und West zu. Das Gastprogramm von Neue Berliner Räume begleitet das Haus in diesen letzten Wochen vor seiner offiziellen Eröffnung und erstreckt sich bis zu dessen erster Ausstellung im Sommer 2015.

 

Jeder Beitrag des Programms markiert einen Punkt, der dem Ort ein Anfang ist.

 

Wo der Ort beginnt
Vajiko Chachkhiani, Amir Fattal, Sonja Hornung, Lynne Marsh, Alessandro Rauschmann, Sonya Schönberger, Dan Stockholm, Lukas Töpfer, Gernot Wieland

 

6. April 2015–22. April 2016
Kunsthaus Dahlem
Käuzchensteig 8–12
14195 Berlin

 

Kuratorische Assistenz
Aap Tepper

 

In Zusammenarbeit mit
Kunsthaus Dahlem

 

Gefördert vom
Kulturamt Steglitz-Zehlendorf aus Mitteln des Bezirkskulturfonds des Landes Berlin

 

Medienpartner
Berlin Art Link

 

 

Montag, 06.04.2015*
Wo der Ort beginnt/Eins
Einen Weg markieren

Ein digitales Archiv zusammengestellt von: Sylvia Sadzinski, Valerie Senden, Aap Tepper und Manuel Wischnewski

 

Fest an einen geographischen Punkt gebunden, bewegen sich Orte dennoch stets in einem dichten, teils unsichtbaren Netz von Koordinaten. Neue Berliner Räume nimmt sich einer Bestandsaufnahme an und führt dabei an verschiedene Orte, die mit dem Gebäude des Kunsthauses Dahlem und seiner Geschichte verbunden sind. Für einen kurzen Zeitraum wird hierfür ein speziell kuratiertes, digitales Archiv geöffnet.

 

 

Montag, 27.04.2015*
Wo der Ort beginnt/Zwei
Komfortabel, trotz des Komforts
Sonja Hornung
Komfortabel, trotz des Komforts ist eine Edition von Postkarten mit ausgewählten Werken des Museums. Die Postkarten sind ab dem 27.04.2014 im Kunsthaus Dahlem erhältlich.

 

 

Freitag, 08.05.2015
Wo der Ort beginnt/Drei
André & Arno
Sonya Schönberger
Schauspieler: Lisa Scheibner und Mariel Jana Supka

 

Müller: Zu entschuldigen ist nichts. Unentschuldbares ist geschehen. Was ich akzeptiere, ist Ihr Leiden, Ihre Verzweiflung, Ihr Versuch, nachzudenken.
Breker: Ja glauben Sie vielleicht, dass ich nicht leide? Sie können heute von mir kein lächelndes Foto bekommen.

 

Im Mittelpunkt der ortsbezogenen Dokumentarperformance André & Arno steht ein Interview aus dem Jahr 1979 zwischen dem Journalisten André Müller und dem Bildhauer Arno Breker, für den das Haus in den Jahren 1939–1942 als Staatsatelier errichtet wurde.

 

 

Montag, 11.05.2015*
Wo der Ort beginnt/Vier

 

 

Samstag, 23.05.2015
Wo der Ort beginnt/Fünf
Stein auf Stein gelegt
Mit Beiträgen von
Vajiko Chachkhiani, Amir Fattal, Lynne Marsh, Alessandro Rauschmann, Sonya Schönberger, Sonja Hornung, Dan Stockholm, Lukas Töpfer, Gernot Wieland u.a.

 

Der Abend unter dem Titel Stein auf Stein gelegt nimmt den Weg der bisherigen Beiträge auf und gibt dabei ganz unterschiedlichen Formaten einen Raum für eine sich immer weiter verdichtende Auseinandersetzung mit dem Ort.

 

 

seit 26.05.2015*
Wo der Ort beginnt/Sechs
Many Lives Pass by While Imitating Death
Vajiko Chachkhiani
Eine Kollaboration mit der Freien Universität und dem Kunsthaus Dahlem

 

 

Dienstag, 02.06.2015*
Wo der Ort beginnt/Sieben
Die Zukunft hat Zeit
Kuratiert von Lukas Töpfer
Die Zukunft hat Zeit besteht aus einer Ausstellung und einer begleitenden Publikation. Die Ausstellung findet am 2. Juni 2015 im Kunsthaus Dahlem statt – ohne „Werke“ und ohne Publikum. Die Publikation dokumentiert die Ausstellung und ist ab dem 14. Juni auf neueberlinerraeume.de und im Kunsthaus Dahlem erhältlich.

 

*Diese Beiträge finden entweder nicht vor Ort im Kunsthaus Dahlem oder ohne formale Eröffnung statt.